Bericht - Einsatz 21.03. & 06.04.2019

Q2/2019

Zahlen

Einzugsgebiet:    600km

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Eingriffe ( Chirurgie / Augen )
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  Registrierungen:          640
  davon untersucht:     320/996
  davon operiert:       156/212
  Eingriffe insgesamt:      182
  Verbandswechsel:          426
  Kosten pro OP:           ~225 EURO

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Physiotherapie
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  behandelte Patienten:     230
  Behandlungen:             436

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Prothesen
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  Registrierungen:           80
  Abdrücke genommen:         27

Protokoll

Am 21. März startete der 20. Einsatz mit 18 Teammitgliedern nach Sumbawanga. Im Vorfeld des Einsatzes wurden umfangreiche Materiallieferungen in Dresden, Bottrop und Paderborn zusammengestellt. Schwerpunktmäßig waren Verbandsstoffe, Medikamente und Geräte von Teammitgliedern beschafft worden. Mit Unterstützung von DHL Express konnten die 50 Boxen rechtzeitig vor Beginn des Einsatzes in Sumbawanga angeliefert werden. Weiteres Material wurde vor Ort beschafft. Mehr und mehr greifen wir auf lokale Anbieter zurück, zumal die Hürden, die jeweils zu überspringen sind, höher werden.

Über Radio und in den Kirchen wurde der Einsatz adressiert. Insgesamt hatten sich 640 Patienten registrieren lassen. Das Einzugsgebiet erstreckt sich inzwischen auf 600 km im Radius. So kam ein Großteil der Patienten aus Kigoma, Mpanda und Mbeya. Die meisten Patienten nehmen große Strapazen zeitlich und finanziell auf sich, um eine kostenfreie Operation zu erhalten, die ihre Lebensqualität deutlich verbessert. Patienten mit einer sichtbaren Fehlbildung werden häufig genug noch weggeschlossen. Das Team organisierte täglich eine Wasserausgabe und verteilte mehrfach Lebensmittel an die Patienten und ihre Angehörigen.

Zu Beginn des Einsatzes wurden 360 Patienten gescreent. Insgesamt wurden 156 Patienten operiert. So kam es zu 182 Eingriffen mit den Schwerpunktbereichen Traumatologie (Frakturen), Plastischer Chirurgie (Verbrennungskontrakturen) und Allgemein-Chirurgie (Schilddrüsenvergrößerungen). Für alle Beteiligten stechen immer wieder die großflächigen Verbrennungen bei den Befunden heraus. Die Situation in den Hütten mit offenen Feuerstellen und Töpfen mit heißem Wasser und/oder Fett ist nicht einfach. Verpuffungen mit Petroleum sind die häufigsten Ursachen für die Verbrennungen. Die Operationen verliefen komplikationsarm. Das Pensum des Teams war durchschnittlich 13 Stunden pro Tag intensiv. Am 6. April verließ das Team Tanzania. Die Patienten zeigten tiefe Dankbarkeit.
Das Team wurde angeführt von … (Facharzt für plastische Chirurgie) aus Bonn und … (Fachärztin für Anästhesie) aus Dresden.

Dem Team gehörten an:

Am 6. April wurden die Teams ausgetauscht. Die OP-Säle wurden umgebaut. Eine Augen-Klinik wurde aufgebaut. Gleichzeitig wurden Verbandswechsel durchgeführt und Notfälle versorgt. Dem Hauptteam folgte das Nachsorgeteam und das Augenteam für den 21. Einsatz.

Bereits zum 4. Mal nahm ein Augen-Team mit … (Facharzt für Augenheilkunde), Bonn und … (Cataract-Surgeon) aus Ilimbula/Tanzania die Arbeit auf. In der Region Rugwa leben bis zu 1 Mio. Menschen mit erheblichen Sehschwächen. 996 Patienten wurden augenärztlich untersucht. Bei einigen konnte keine Operation in Aussicht gestellt werden. Für 212 Patienten stellte sich die Situation postoperativ mit erheblicher Verbesserung dar. Es wurde an 2 OP-Tischen parallel operiert.

Dem Augen-Team gehörten an:

Das Augen-Team konnte in intensiven Gesprächen mit den Verantwortlichen aus dem regionalen Regierungsbereich und dem Bischof neue Meilensteine setzen. So wurden bereits 3 Mitarbeiter zu OP-Schwestern/Pflegern Augen ausgebildet. Eine Ärztin befindet sich in der Ausbildung zum Cataract-Surgeon. Ein weiterer Arzt folgt noch in diesem Jahr. Weitere Stellen wurden genehmigt.

Parallel arbeitete das Nachsorgeteam unter der Führung von … (Facharzt für Kinder-Chirurgie) aus Leipzig und … (Fachärztin für Anästhesie) aus Neuss, … (Anästhesie-Pfleger) aus der Schweiz, S… (OP-Schwester) aus Hamburg und … (Ärztin) aus Dresden. Frische Frakturen und Verbandswechsel, vornehmlich bei den Verbrennungs-Patienten, standen hier im Fokus. Insgesamt wurden 426 große Verbandswechsel vorgenommen.

In der Geburtshilfe waren … (Hebamme) aus Dresden und … (Hebamme) aus Pirna im Einsatz. Sie übernahmen eine umfängliche Schwangerenberatung, begleiteten viele Frauen bei ihren Geburten und unterstützten sie in den ersten Tagen des Wochenbettes. Durch intensives Training konnte die Sectio-Rate nicht nur während des Einsatzes, sondern auch zwischen den Einsätzen deutlich reduziert werden. Sie organisierten den Kreißsaal neu. So wurden Naht-Sets und Geburts-Sets zusammengestellt und eine neue Arbeitsstrecke aufgebaut und in Betrieb genommen.

Zum zweiten Mal war unser Physiotherapeuten-Team im Einsatz. Ein Bereich, der bereits zwischen den Einsätzen und unserem Eintreffen über 750 Anwendungen organisieren konnte. Das Team um … mit …, … und … hatten ein Fern-Training für die neu eingesetzten Physiotherapeuten …, … und … organisiert. Während des 20. Und 21. Camps konnten 230 Patienten in 436 Anwendungen erleben, was eine gute Physiotherapie ausmacht. Lob kam von allen Seiten. Die Vorgehensweise ist für die Region Rugwa beispielhaft.

… und … (braun + stamos prothesenwerk in Dresden) hatten im vergangenen Jahr die Idee, beinamputierten Patienten die Möglichkeit zu geben, sich um eine Prothese zu bewerben. Dem Radio-Aufruf folgten 80 Patienten, die zum Teil aus Arousha, Dar-es-Salaam, Iringa und Dodoma kamen. … aus Dresden fertigte zusammen mit … insgesamt 27 Gipsabdrücke, die er mit nach Deutschland nahm. In Dresden werden nun die Prothesen gefertigt, die dann den Patienten zur Verfügung gestellt und angepasst werden. Die ersten Prothesen konnten bereits von Sumbawanga aus finanziert werden. Geplant ist, dass eine Grundausstattung für eine Orthopädie-Werkstatt beschafft wird. Diese soll in 2019 in Betrieb genommen werden.

Beide Einsätze wurden von Marcus Strotkötter organisiert.

Am Ende eines solch umfangreichen Einsatzes bleiben viele Gedanken an die Patienten im Kopf. Für das Team des Dr. Atiman Hospitals kehrt wieder etwas mehr Ruhe ein. Die weitere Nachsorge hat das Team mit … und … übernommen. Sie schicken regelmäßig Verlaufsbilder und fragen um Rat.
Die Krankenhausleitung hat sich in den vergangenen Monaten intensiv Gedanken zum Auf- und Ausbau als Referral Hospital gemacht. Dazu wurden Aus- und Weiterbildungspläne für die kommenden 5 Jahre entwickelt und vorgestellt. Die Regierungsbehörden wie Regional Commissioner, Regional Permanent Secretary, Regional Medical Officer und der Bischof von Sumbawanga unterstützen die Vorgehensweise. Von allen Seiten wurde ausdrücklich betont, dass man unsere Unterstützung auch in der Zukunft benötigt. Wir werden sie auf dem Weg begleiten. Zur Verdeutlichung: Das Krankenhaus verfügt über ein Jahresbudget von 1,5 Mio. Euro. Davon müssen 96 Angestellte bezahlt werden und die gesamte Infrastruktur und der Dienstbetrieb bestritten werden. Unser ehrenamtliches Investment lag im vergangenen Jahr bei knapp 200.000 Euro. Das entspricht knapp 14 % des Jahresbudgets. Damit können aber pro Jahr ca 900 Operationen zusätzlich durchgeführt werden. Die von uns angebotenen Operationen kosten umgerechnet 225 € incl. aller Verbandswechsel. Das Projekt steht und fällt mit Spenden. Wir sind immer wieder dankbar für die bereitgestellten finanziellen Mittel auf unterschiedlichsten Kanälen. Eine Vielzahl der Teammitglieder ist in diesen Prozess dauerhaft aktiv eingebunden.

Abschließend gilt es wieder einmal Dank zu sagen, zum einen den Mitarbeitern des Krankenhauses in Sumbawanga. Alle haben unter Rückstellung ihrer privaten Belange sich uneingeschränkt eingesetzt und damit die Voraussetzung für ein gutes Gelingen des Einsatzes gesorgt. Es war beeindruckend, wie sie sich um die Patienten in allen Bereichen gekümmert haben. Zum anderen sei allen Teammitgliedern herzlich gedankt für das große Engagement im Vorfeld des Einsatzes und während des Einsatzes. Besonderer Dank gilt …